A k t u e l l e s  

 


Junge Welt 01.03.2010

Wahrheit als Behinderung

Karadzic-Prozeß in Den Haag wird heute fortgesetzt. NATO-Schuld darf keine Rolle spielen. Gericht droht Angeklagtem mit Pflichtverteidiger auf Abruf

Cathrin Schütz

Am heutigen Montag wird nach mehrmonatiger Unterbrechung der Prozeß gegen den ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic vor dem Jugosla­wien-Tribunal in Den Haag (ICTY) fortgesetzt. Karadzic hat angekündigt, über zwei Sitzungstage hinweg die Eröffnungsrede seiner Verteidigung vorzutragen. Im vergangenen Oktober hatte der Prozeß mit dem Eröffnungsplädoyer der Anklage begonnen. Karadzic war diesem ferngeblieben, um gegen die Bedingungen seiner Verteidigung zu protestieren. Er hatte wiederholt beantragt, für seine Vorbereitung mehr Zeit zur Verfügung gestellt zu bekommen. Diese Forderung ergab sich aus dem Umfang der ihm von der Anklage seit seiner Auslieferung an das ICTY im Jahr 2008 zugestellten Dokumente von gut einer Million Seiten. Zudem hatte sich nur eine Woche vor Verhandlungsbeginn der Anklageinhalt, darunter Völkermord in zwei Fällen, verändert. Statt Karadzics Argumente zu hören, entschied das Gericht, dem sich selbst verteidigenden Angeklagten mit dem Londoner Anwalt Richard Harvey einen Pflichtverteidiger aufzuzwingen. Diesem können die Richter die Verteidigung übertragen, wann immer sie befinden, daß Karadzic den Prozeß »behindert«. Die heute endende Prozeßunterbrechung sollte Harvey zur Vorbereitung dienen. Weil Karadzic gegen dessen Ernennung Berufung einlegte, wohnte der Brite den Anhörungen zum Verfahren zwischenzeitlich nur im Zuschauerraum bei. Da die Berufung nun abgelehnt wurde, wird Harvey heute erstmals im Gerichtssaal erscheinen. Angesichts dieser jetzt ständigen Bedrohung seiner Selbstverteidigung scheint es unwahrscheinlich, daß Karadzic erneut auf Boykott setzt. Dabei zeigt er in einem weiteren Antrag auf Aufschub vom 1. Februar, wie sich seine Lage in der Zwischenzeit weiter verschlechtert hat.

So hatte das ICTY am gleichen Tag, an dem die Richter auf Ernennung eines »Verteidigers auf Abruf« entschieden, die Finanzierung von Karadzics Verteidigung eingestellt. Karadzic, der richterlichen Vorgaben zufolge bis zu einer »Störung« das Zepter seiner Verteidigung weiterhin allein in der Hand hat, stand daraufhin ohne Mitarbeiter da. Die Bilanz nach der gut viermonatigen Pause lautet nun für Karadzic, seine Vorbereitung der Verteidigung nicht vorangebracht zu haben, weil er den Kampf um sein Team führen mußte. Statt acht werden ihm jetzt wenigstens wieder eineinhalb Vollzeitkräfte finanziert. Der Papierberg hat sich zwischenzeitlich dank des Eifers der Anklagebehörde um weitere 300000 Seiten Dokumente erhöht.

Die Presse verschweigt den Skandal dieses unfairen Prozesses und bezichtigt den Angeklagten statt dessen der Verzögerungstaktik und politischen Polemik. Das alles erinnert immer mehr an den »Jahrhundertprozeß« gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der zunächst unter dauernden Zeitdruck gestellt wurde und dem dann das garantierte Recht auf Selbstverteidigung entzogen wurde. Milosevic verstarb im März 2006 in seiner Zelle in Den Haag, nachdem die Richter seinen Antrag auf Behandlung in einer Moskauer Spezialklinik abgelehnt hatten, obwohl die von ihnen verlangten Garantien der russischen Regierung vorlagen.

Karadzic versucht in Den Haag nicht, irgendwie seine Haut zu retten, sondern tritt in Milosevics Fußstapfen. Es geht ihm um das Widerlegen der grundlegenden Annahme des ICTY, wonach die Serben die Hauptverantwortlichen für die blutige Tragödie in Jugoslawien seien. Doch der NATO, die hinter dem ICTY steht, geht es um das Vertuschen der eigenen Verantwortung bei der Zerschlagung Jugoslawiens und seiner direkten Verwicklung in den Krieg.

Dazu paßt kein Karadzic, der nach seiner Auslieferung an das ICTY publik machte, daß der hochrangige US-Diplomat Richard Holbrooke ihm 1996 in einem Deal Straffreiheit zugesichert hatte. Und dazu paßt kein Karadzic, der gerne vertuschte Fakten im Gerichtssaal durch Beweise untermauert. So mußte der deutsche Botschafter in den Niederlanden, Thomas Laufer, am 15.Februar in einer Verfahrensanhörung vor dem ICTY Rede und Antwort stehen, warum er Karadzics Ersuchen nach Aushändigung von Dokumenten nicht nachkommen wolle, die beweisen, daß Deutschland das UN-Embargo wiederholt gebrochen und die bosnisch-muslimische Seite im Krieg gegen die Serben mit Waffen versorgt hatte. Denn diese Waffenlieferungen in die »entmilitarisierte Zone« von Srebrenica gehören zum Kriegskontext – und der soll im Gericht von Den Haag keine Rolle spielen.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2010/03-01/031.php

(c) Junge Welt 2009


Junge Welt  26.10.2009

Keine Zeit für Karadzic

Ehemaliger Spitzenpolitiker der bosnischen Serben beklagt mangelnde Vorbereitung. Prozeß vor dem Jugoslawien-Tribunal beginnt am heutigen Montag

Cathrin Schütz
 

Am heutigen Montag morgen soll vor dem Jugoslawien-Tribunal (ICTY) in Den Haag der Prozeß gegen den ehemaligen Präsidenten der serbischen Republik in Bosnien, Radovan Karadzic, beginnen. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt eine Meldung vom vergangenen Donnerstag, wonach Karadzic verlauten ließ, dem heutigen Prozeßauftakt aus Mangel an Vorbereitungszeit demonstrativ fern zu bleiben. Die Nachrichtenagentur AFP meinte dazu, der angekündigte Boykott überrasche nicht. Sie zitiert Christoph Flügge, deutscher Richter am ICTY. Dieser unterstellte, Karadzic wolle »das Heft des Handelns in die Hand nehmen und aus dem Prozeß ein Schauspiel machen«.

Eine Million Seiten

Verschwiegen wird dabei der eigentliche Skandal. Karadzic hatte in den vergangenen Monaten mehrfach einer Verlängerung der Vorbereitungszeit zu seiner Verteidigung beantragt. Das geschah, nachdem die ursprünglich bereits im Juli 1995 erhobene Anklage – das Haager Tribunal wurde 1992 gegründet – im Februar 2009 in ihrer fünften, veränderten Version vorlag. Acht Monate, so Karadzic, reichten nicht aus, um die Anklage samt der rund 450 sie stützenden Zeugenaussagen, alles zusammen gut eine Million Seiten, auch nur zu lesen. Statt dem Angeklagten, der sich selbst verteidigt, jedoch die geforderten zwei Jahre einzuräumen, legte das Tribunal am 19. Oktober, also eine Woche vor Prozeßbeginn, eine weitere Fassung der Anklageschrift vor. Diese soll nun Gegenstand der Verhandlung sein. Zuvor hatte Karadzic mehrmals versucht, sein Recht auf einen fairen Prozeß einzufordern – etwa mit der Weigerung, sich zu einer ihm unbekannten Anklage schuldig oder nicht schuldig zu bekennen.

Dem ehemaligen Führer der bosnischen Serben stehen die altgedienten Ankläger Alan Tieger, Mark Harmon sowie die Deutsche Hildegard Uertz-Retzlaff gegenüber. Ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des von 1992 bis 1995 in Bosnien tobenden Krieges vorgeworfen. Für welche Anschuldigungen die Anklage überhaupt Beweise erbringen muß, entschieden die Richter abschließend erst am 9. Oktober diesen Jahres. Die Rechtsauslegung des Tribunals besagt, daß in früheren Urteilen festgestellte »Tatsachen« ohne neue Beweisführung anerkannt werden können, darunter die Ereignisse von Srebrenica im Juli 1995 mit »zwischen 7000 und 8000« toten Muslimen.

Karadzic, so wird allgemein behauptet, lebte und praktizierte bis zu seiner Festnahme in Belgrad am 21. Juli 2008 jahrelang als Alternativmediziner unter dem Namen Dr. Dragan Dabic. Nach der Auslieferung an das Tribunal forderte er wiederholt seine Freilassung, da ihm der damalige US-amerikanische Balkan-Chefdiplomat und »Architekt« des Friedensabkommens von Dayton 1995, Richard Holbrooke, 1996 Straffreiheit zugesichert habe. Dieses sei Bedingung für seinen Rückzug von der politischen Bühne gewesen, so Karadzic – einen Argumentation, die keineswegs so merkwürdig ist, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Entlastungszeugen

Eine Trennlinie zwischen dem UNO-Gericht und der NATO ist schwer auszumachen. Sowohl finanziell und diplomatisch als auch, was die geheimdienstlichen Quellen betrifft, steht das ICTY unter dem Einfluß der USA. Schon die Gründung dieser rechtlich mehr als fragwürdigen Ad-hoc-Einrichtung ging Anfang der 1990er Jahre auf massiven Druck der Regierungen der USA und Deutschlands zurück, also jener beiden Staaten, die zu diesem Zeitpunkt bereits selbst zuerst auf Seiten der Kroaten und dann der bosnischen Muslime tief ins Kriegsgeschehen im ehemaligen Jugoslawien verstrickt waren.

Trotz der langjährigen Haßkampagne gegen die Serben ist anzunehmen, daß, wie schon im Falle des Prozesses gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, auch in Sachen Karadzic viele hochkarätige Entlastungszeugen auftreten werden.

Der Prozeß wird über die Webseite www.icty.org live übertragen. Besucher können allen Verhandlungen vor dem ICTY beiwohnen.

Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2009/10-26/013.php

(c) Junge Welt 2009

 


 

Karadzic Indictment not based on Law

 

By George Pumphrey

 

August 4, 2008

Download as Word Document (11 pages)

 


“NATO’s attack on Serbia the ultimate crime against peace”

Edited 25 October, 2009, 17:00

It’s time to recognize the US-led NATO offensive against Serbia in 1999 as a historic mistake,
Zivadin Jovanovic, former Foreign Affairs Minister of Yugoslavia told RT.

 


Press Releases

Monday, 06 April 2009 21:24

NATO TO BE DESOLVED, HAG TRIBUNAL CLOSED !

BELGRADE CONFERENCE SUCCES !

Belgrade, March 27. Two days International conference in Belgrade marking 10 years of the start of the NATO aggression on Yugoslavia (Serbia and Crna Gora) ended up with the calls to dissolve NATO as the aggressive global alliance aiming at replacing the United Nations and to close up the Hag tribunal (ICTY) as prolonged NATO anti-Serbian arm. The Conference initiated establishment of the International Tribunal of the Human Consciences (Tribunal International de la Consciance Humaine). ...
 


The Road between Srebrenica and Genocide

The Fall of Srebrenica

By George Pumphrey

Six years ago the town of Srebrenica was hardly known to the outside world. Today it is seen as the turning point of the war in Bosnia-Herzegovina.

What actually took place in this little town in the Drina Valley in mid of July 1995 that transformed Srebrenica into the fulcrum of world policy-making in the Balkans? ...

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SREBRENICA

von George Pumphrey

Das "Massaker von Srebrenica", bei dem, nach der Einnahme der gleichnamigen Stadt im Juli 1995, angeblich acht Tausend bosnisch-muslimische Männer summarisch von bosnisch-serbischen Truppen exekutiert worden sein sollen, wird nicht nur weithin als Kriegsverbrechen verurteilt, sondern gilt auch als Beweis für die serbische Politik des Genozids, d.h. für die Absicht ein Volk als solches zu vernichten.

Die Hauptmächte der NATO haben Srebrenica mißbraucht, um die Vereinten Nationen (VN) zu diskreditieren, wegen deren angeblichen Unfähigkeit, den "Genozid" zu stoppen. ...

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An den Kanzler des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte  

Beschwerde nach Artikel 34 EMRK von Frau Cornelia Kampffmeyer und Herrn Harald Kampffmeyer gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen Verletzung des Artikel 9 EMRK (Gewissensfreiheit). Download als offene rtf-Datei

Siehe auch unter "Varvarin": Presse und Projektfortschrittsbericht